Nodes of Resistance –Bewegung gegen Big Tech

Nodes of Resistance“ trägt zum Aufbau einer breiten und entschlossenen Bewegung bei, die es wagt, Big Tech abzulehnen und zu bekämpfen. Wir knüpfen dort an, wo die Konferenz „Cables of Resistance“ endete. Die Konferenz brachte Hunderte von Menschen aus aller Welt zusammen, um Widerstand gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt durch Big Tech zu diskutieren, zu organisieren und aufzubauen. „Nodes of Resistance“ ist eine Veranstaltungsreihe in Berlin, die Raum bietet, um die auf der Konferenz begonnenen Debatten fortzusetzen, zu vertiefen und sich zu organisieren. Die Veranstaltungen werden eine Reihe hochaktueller Themen im Zusammenhang mit digitalem Kapitalismus, Widerstand und besseren Zukünften behandeln, darunter Technologie ohne Ausbeutung, radikale Ablehnung von „KI“, Widerstand gegen Rechenzentren, antifeministische Biotechnologie, die Vernetzung verschiedener Widerstandsformen und -strategien, „KI“ und Militarisierung sowie technologischer Autoritarismus.

Bei jeder Veranstaltung wird es einen Vortrag und eine interaktive Diskussion geben sowie die Möglichkeit, sich mit Gruppen zu vernetzen, die sich bereits widersetzen und eine Zukunft ohne Big Tech gestalten. Wir wollen gemeinsam lernen, diskutieren und diese Erkenntnisse dann in Taten umsetzen. Eine Bewegung gegen Big Tech muss verschiedene Kämpfe bündeln und über kurzfristige Kampagnen und lokal geäußerte Unzufriedenheit hinausgehen. Sie sollte so breit und unvorhersehbar wie möglich sein, um die Vielfalt der Gesellschaft widerzuspiegeln, die von der Zerstörung durch Big Tech betroffen ist. Und sie kann eine Reihe von Widerstandsmethoden als Akt der Selbstverteidigung nutzen. Wir brauchen physische Kristallisationspunkte des Widerstands, über die wir uns vernetzen, um eine Bewegung zu bilden, die unterschiedliche Hintergründe und Regionen umfasst. Lasst uns wirksame Knotenpunkte des Widerstands schaffen.

Die Veranstaltungen werden von Structural Integrity / capulcu organisiert und gemeinsam ausgerichtet mit Digitale Gesellschaft / Datenpunks / AiAiAi.

Kontaktiert uns unter noderesist@systemli.org und findet uns auf Mastodon oder Bluesky.

Nodes of Resistance #1

Thema: Gibt es Technologie ohne Extraktivismus?
Wer: Tara Tarakiyee
Wann: 30. September 2026, 18:30 Uhr
Wo: Wikimedia Deutschland, Tempelhofer Ufer 23/24, 10963 Berlin

Die Technologie, die wir nutzen, basiert auf der Ausbeutung des Globalen Südens durch den Norden und auf der Ausbeutung der Natur durch Technologieunternehmen. Tara Tarakiyee spricht zum Thema „Woraus die Maschine besteht“ und führt uns durch die verschiedenen Ebenen des Technologie-Stacks, um zu untersuchen, wie die Ausbeutung in diesen Ebenen verankert und zwischen ihnen verbunden ist. Wir werden gemeinsam diskutieren, wie wir der weltweit zunehmenden Welle des Extraktivismus begegnen können – von den Minen in Peru bis nach Ostdeutschland. Welche Technologien lassen sich angesichts der Kosten, die sie Gemeinschaften auferlegen, rechtfertigen? Welche Strategien können den zerstörerischen Fußabdruck von Big Tech verringern oder radikal überdenken? Anschließend teilen wir uns in kleinere Runden auf, um von eingeladenen Gruppen, die sich im Kampf gegen den Extraktivismus engagieren, zu hören und Ideen auszutauschen.

Weitere Veranstaltungen

Thema: KI-Negativ
Wer: Thomas Dekeyser
Technologie war schon immer ein von Konflikt und Auseinandersetzung geprägter Bereich. Die Ablehnung von Technologie hat eine lange Geschichte. Was können wir aus dieser Vergangenheit lernen, um besser zu verstehen, wie uns „KI“ als nächster vermeidlich unausweichlicher Schritt der Evolution aufgezwungen wird und warum Widerstand dagegen oft als unrealistisch oder irrational abgetan wird? Wie beeinflusst „KI“ die Form und Durchführbarkeit von Widerstand gegen Technologie?

Thema: Antifeministische Biotechnologien
Wer: Susanne Schultz
Big Tech liefert dem Pro-Natalismus, einer wachsenden rechtsextremen Bewegung, neue Technologien zur Optimierung der Fortpflanzung: So schürt beispielsweise die In-vitro-Fertilisation mit genetischem Risiko-Screening rassistische und eugenische Ideologien und fördert die Selektion vermeintlich überlegener Gen-Sets. Eine antifeministische, transphobe und maskulinistische Weltanschauung fördert ideologischen Zusammenhalt für einen aggressiven Kulturkampf, auch mit Hilfe von Biotechnologie. Wie kann eine queere-feministische und antifaschistische Bewegung gegen selektiven Pronatalismus und die damit verbundenen Ideologien, die von MAGA bis zur AfD übernommen wurden, angreifen und zurückdrängen?

Thema: Strategien des Widerstands gegen Big Tech
Wer: capulcu
Was können wir von Kämpfen und Aufständen verschiedener Widerstands-Zyklen lernen? Welche Erfahrungen ihrer Organisierungsversuche und ihrer Ausdrucksformen (u.a. Riots, Streiks und Sabotagen) sind in Bezug auf eine dringend notwendige, breite und vielfältige Bewegung gegen BigTech wertvoll? Welche Strategien des Widerstands sind in einer voll-vernetzten und „KI“-durchsetzten Gesellschaft vielversprechend bzw. überhaupt noch denkbar?

Thema: Wie man kein Rechenzentrum baut – überregionalen Widerstand organisieren
Wer: n.n.
KI-Rechenzentren sind das Herzstück der aktuellen kapitalistischen Tech-Transformation, mit quasi grenzenlosem Verbrauch an Energie, Wasser und zyklisch zu ersetzender Höchstleistungshardware. Die zunehmende ökologische Zerstörung ist inhärenter Bestandteil des „KI“-Wettrüstens. In einigen Regionen gelingt es lokalen Initiativen, den Bau geplanter Hyperscaler zu verhindern. Wie können wir derartige Initiativen überregional zusammenbringen, ihre Vorgehensweisen nachahmbar machen und Rechenzentren zu Kristallisationspunkten einer Widerstandsbewegung werden lassen?

https://noderesist.de

E-mail: noderesist@systemli.org pgp-Fingerprint: F636B01A9537C37908D15BBC48F8243C9F46F3D0
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Bluesky: @noderesist.de

Technologie gegen die Klimakrise? Geoengineering als Herrschaftstechnologie

Die Konsequenzen des Klimawandels sind jetzt schon deutlich spürbar: Lebensfeindliche Hitze, Dürre, Waldbrände, Auftauen des Permafrost und der Gletscher, mehr und heftigere Winde, heftigerer Niederschlag, Überschwemmung von Landmassen, insbesondere Inseln, Aufheizen der Meere, Korallensterben und das Zusammenbrechen von Ökosystemen. Globale Meeresströmungen werden langsamer und auch der Jet-Stream in 10 km Höhe verliert an Kraft. Unerwartet ist dieses Verhalten nicht. Seit gut 200 Jahren wird der anthropogene Klimawandel erforscht; bereits 1965 wurde vor den Auswirkungen gewarnt, obwohl noch nicht alle Details vorkommen verstanden waren. Jetzt ist die Situation klarer, die Krise weniger abstrakt. Doch anstatt mit sozialer Revolution reagiert die Weltgemeinschaft auf die Klimakrise durch ein Aufrechterhalten des Status Quo. Besonders autoritäre, technokratische und solutionistische Bestrebungen finden Resonanz.

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GrapheneOS – das Betriebssystem für bewegte Chaot:innen?



Zunehmend mehr Menschen benutzen mobile Geräte mit GrapheneOS als Betriebssystem. Wir werden sowohl von Einzelpersonen als auch politischen Zusammenhängen regelmäßig gefragt, ob GrapheneOS sicher ist, ob wir die Nutzung empfehlen und wenn ja, was es zu beachten gilt. Einige nehmen ihr Smartphone gleich mit aufs Plenum zum Protokoll schreiben: „Das ist GrapheneOS. Ist sicher.“

Unter einem Indymedia-Artikel zu den jüngsten Angriffen auf das Tor-Netzwerk, der am Rande die Sicherheit von Tails behandelte, wurde gegen uns und Tails gestänkert:

“Capulcu, hört doch mal auf, immer auf veralteter Technologie herumzureiten. Ein GrapheneOS-Telefon (mit im Gegensatz zu Tails sauber implementierter MAC-Randomisierung), dazu ein moderner VPN als Basisschutz für das Profil (kann Proton, Mullvad, iVPN sein), und in dem Profil der klassische Tor Browser bringen in Kombination deutlich mehr in puncto Sicherheit und Privatsphäre. Tails war vielleicht gut in den 2010er Jahren, jetzt ist Zeit, nach vorne zu blicken.”1

Aber stimmt die Behauptung auch? Es wird Zeit, dass wir uns der Frage zuwenden, ob bzw. unter welchen Bedingungen wir GrapheneOS empfehlen können. Und ist es wirklich sicherer als Tails?

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Big Tech goes MAGA

Allgemeine KI als reaktionäre Utopie

Transformation zum autokratisch-faschistoiden ‚Fortschrittsprojekt‘

Die fundamentale Schwäche der westlichen Zivilisation ist die Empathie.“ (Elon Musk)1

Das Zusammenwirken von rechtsextremen Autokratie-Anhängern und Faschisten mit reaktionären Tech-Feudalisten erreicht in den USA ein neues Bewegungsniveau. Die sogenannte Tech-Oligarchie stellt dabei nicht nur Technologien zur Verfügung, die insbesondere rechtsextremen Bestrebungen nützlich sind, sondern befeuert aktiv einen breit angelegten rechten Kulturkampf. Ihr radikal anti-demokratisches Technologieversprechen dient dabei als visionäre Fortschrittserzählung, die angesichts einer allgemeinen Utopiearmut in der Mehrfachkrise mehr und mehr verfängt.

In dieser Arbeit wollen wir die politischen Ambitionen der ‚Tech-Oligarchie‘ untersuchen. Dabei stoßen wir auf einen politisch gefestigten Kern, Radikalisierte und Mitläufer. Alle drei Kategorien tragen mit ihrer enormen Reichweite massiv zum Hegemonieprojekt einer (ultra-)rechten Technokratie bei. Die beiden ersten Kategorien fußen dabei auf einem stabilen (pseudo-)philosophischen Weltbild, dessen Wurzeln in der Eugenik zu finden sind. Und tatsächlich finden wir eine zunehmende Enttabuisierung der Einteilung von wertvollem und weniger wertvollem Leben – sowohl bei den Tech-Protagonisten wie z.B. Elon Musk und Peter Thiel, als auch bei dessen Polit-Zögling, dem derzeitigen US-Vizepräsidenten J.D. Vance.

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Renaissance der Atomenergie für eine beschleunigte KI ?

Seit der Software-Konzern OpenAI im Winter 2022 mit der Veröffentlichung des „großen Sprachmodells“ ChatGPT den aktuellen Hype um die sogenannte künstliche Intelligenz (KI) auslöste, steigt bei den Tech-Giganten der Strombedarf stark an. So stark, dass unter anderen die Branchenriesen Microsoft und Google ihre noch 2020 selbstgesteckten CO2-Einsparziele auf unbestimmt nach hinten schieben.

Microsoft verkündete im Pandemiejahr 2020 selbstbewusst, dass das Unternehmen ab 2030 einen „negativen C02-Fußabdruck“ vorweisen werde – also mehr CO2 ‚ausgleichen‘ als emittieren werde. Ab 2050 wolle es gar „den gesamten Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernen, den das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 1975 entweder direkt oder durch seinen Stromverbrauch emittiert hat.“ Wie wenig fundiert das Versprechen von Microsofts CEO Satya Nadella war, beweist sein Zusatz auf eben jener Konferenz: „Die Lösung des C02-Problems wird Technologien erfordern, die heute noch nicht existieren“. Microsoft macht dazu zumindest Andeutungen. Nadella verweist auf die Prototypen gigantischer CO2-Staubsauger der ETH Zürich, die leider selbst wiederum extrem viel Strom verbrauchen um CO2 aus der Umgebungsluft zu filtern und später unterirdisch zu lagern. Zum anderen setzen Microsoft, aber auch Google, Amazon, Meta und Oracle unverhohlen auf einen alten Dinosaurier – die vermeintlich saubere Atomenergie.

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Bullshitting – Normalisierung des Postfaktischen

Die derzeitige Stärke autoritärer und rechtspopulistischer Strömungen weltweit fällt zusammen mit einer wachsenden Verunsicherung durch multiple Krisen (Klimazerstörung, Krieg, unaufgearbeitete Pandemie, …) und einem massiven Bedeutungszuwachs ‚sozialer‘ Medien innerhalb der letzten fünf Jahre.

Wir beschreiben mehrere, sich gegenseitig verstärkende Wirkmechanismen der Krisenhaftigkeit und einer algorithmischen Debatten-Polarisierung innerhalb ‚sozialer‘ Medien im Kontext der US-Präsidentschaftswahlen des Jahres 2024. Wie verändern große Sprachmodelle wie ChatGPT die politische Topologie des digitalen Informationsraums? Konkret gilt es zu untersuchen, wie das Wechselspiel von ChatGPT mit ‚sozialen‘ Medien die Normalisierung von Falschinformationen vorantreibt und wie rechter Populismus von eben dieser Zersetzung der Faktizität in ein polarisiertes Nebeneinander bloßer ‚Meinungen‘ auch über die ‚sozialen‘ Medien hinaus profitiert.

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“Ist das schon kaputt?” – Eine vorläufige Einordnung des Angriffs auf das Tor-Netzwerk

von capulcu & friends

Mitte September wurde durch Recherchen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Panorama und STRG_F) bekannt, dass das BKA und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt a.M. erfolgreich einen Deanonymisierungsangriff im Tor-Netzwerk durchgeführt haben. Sie konnten so den Betreiber der Pädoplattform Boystown identifizieren und festnehmen. Dazu betrieben sie eigene Tor-Knoten und überwachten Teile des Netzwerks über mehrere Jahre und Ländergrenzen hinweg. Der Angriff wirft die Frage auf, ob Tor und Tails noch sicher sind. In diesem Text wagen wir den Versuch einer vorläufigen Auswertung auf Basis der spärlichen öffentlich zugänglichen technischen Informationen und geben einige Handlungsempfehlungen zur sichereren Verwendung von Tor. Denn Tor bleibt das beste verfügbare Werkzeug, um die eigene Identität im Internet zu verschleiern. Wer sich nur für die praktischen Folgen und nicht für die technischen Details des Angriffs interessiert, kann ab dem Abschnitt, „Gesundheit des Tor-Netzwerks“ anfangen zu lesen.

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Der kommende KI-Winter

Veranstaltungsreihe:

16.10.24 Winterthur | 17.10.24 Basel | 18.10.24 Bern

Große Sprachmodelle wie ChatGPT haben Millionen von Menschen beeindruckt und dazu bewegt, mit ihnen Texte, Bilder und Videos zu erzeugen. Und das obwohl die Ergebnisse vielfach nur oberflächlich überzeugen. Mittlerweile ‘droht’ der Hype um diese Form von Künstlicher Intelligenz (KI) abzukühlen. Die Branche kann den selbst geweckten Erwartungen, dass hier etwas erwächst, dass schon bald ‘intelligenter’ als wir sein wird, nicht gerecht werden. Wir blicken hinter die Kulissen und ergründen warum maschinelles Lernen auf die Rolle eines statistischen Papageis beschränkt bleibt und differenziertes Denken weiterhin unser Job sein wird.

Das Ringen um die technologische Vorherrschaft auf diesem Sektor geht trotz Ernüchterung unvermittelt weiter. Es ist ideologisch, ökonomisch und sogar militärisch insbesondere in der sich zuspitzenden USA-China-Krise um eine neue multipolare Weltordnung zu bedeutsam. Die Produktion von Höchstleistungschips für das aufwändige KI-Training sowie der Betrieb dieser Modelle in neuen Rechenzentren schlucken hunderte von Milliarden und sind verantwortlich für eine exzessive Verschwendung von Strom, Wasser, Metallen und seltenen Erden. Die Ökobilanz der Tech-Riesen verschlechtert sich durch den Ausbau von KI-Anwendungen drastisch – die vor wenigen Jahren selbstgesteckten Ziele von Google, Microsoft und Co, schon bald ‘klimaneutral’ zu operieren, werden nun um Jahrzehnte nach hinten geschoben!

Wir diskutieren die komplexen Krisen-Auswirkungen der KI und fragen, an welchen Punkten es möglich sein könnte, der zerstörerischen Tech-Transformation nicht mehr nur zuzuschauen, sondern politisch einzugreifen.

Chipproduktion in der Multikrise

Die materielle Seite künstlicher Intelligenz

Von capulcu

Einleitung

Der Hype um sogenannte „künstliche Intelligenz“ (KI) erscheint uns in den meisten Debatten in rein virtueller Gestalt; als Versprechen einer quasi voraussetzungsfreien Automatisierung nahezu aller Lebensbereiche durch eine tiefgreifende Neugestaltung von Mensch-Maschine-Interaktionen auf der Basis menschlicher Sprache. Die politisch-ökonomischen Konsequenzen dieses technologischen Sprungs, insbesondere die Verstärkung gesellschaftlicher Ungleichheit und Abhängigkeit von einem technokratischen Oligopol (= die wenigen Hüter:innen der großen Sprachmodelle) haben wir bereits in Die Goldgräber der Künstlichen Intelligenz diskutiert.

Eine politisch relevante Verengung breiter Diskurse durch eine Überhöhung des Mainstreams gepaart mit einer zu erwartenden Rechtsverschiebung haben wir in ChatGPT als Hegemonieverstärker untersucht. Die Wechselwirkung sozialer Medien mit Sprachgeneratoren wie ChatGPT reduziert nachweislich diskursive Diversität und fördert gesellschaftliche Fragmentierung.

In diesem Text soll es bewusst um die materielle Seite künstlicher Intelligenz im Kontext mehrfach verschränkter Krisen gehen – insbesondere die ökologische Krise in Verbindung mit der Krise neuer Kriege um eine multipolare Weltordnung. Unser erster Text Klima – das grüne Vehikel der KI-Offensive hat das Thema bereits angerissen. Die KI entpuppt sich hinsichtlich der Klimazerstörung als Brandbeschleuniger und nicht, wie vielfach herbeifantasiert, als zentrales Lösungswerkzeug eines für den Menschen zu komplexen Optimierungsproblems.

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ChatGPT als Hegemonieverstärker

EN: ChatGPT AS HEGEMONY BOOSTER
IT: ChatGPT COME STRUMENTO PROMOTORE DELL’ EGEMONIA

Eine Gesellschaft mit unechten Menschen, die wir nicht von echten unterscheiden können, wird bald gar keine Gesellschaft mehr sein.1 (Emily Bender, Computerlinguistin)

Die Künstliche Intelligenz (KI) erlebt aktuell ihren iPhone-Moment. ChatGPT hat einen beispiellosen Hype um künstliche Intelligenz ausgelöst. Innerhalb von zwei Monaten haben mehr als 100 Millionen Menschen weltweit die neue Technik ausprobiert.

Sprachmodelle – keine Wissensmodelle

Der Chatbot2 ChatGPT basiert auf einem sogenannten großen Sprachmodell, das wir uns wie einen sehr großen Schaltkreis mit (im aktuellen Fall von GPT-4) einer Billion justierbarer Parameter vorstellen können. Ein Sprachmodell beginnt als unbeschriebenes Blatt und wird mit mehreren Billionen Wörtern Text trainiert. Die Funktionsweise eines solchen Modells ist, das nächste Wort in einer Folge von Wörtern aus dem ‚Erlernten‘ zu erraten. Die Bedeutung von Worten ist für ein Sprachmodell lediglich die statistische Erfassung des Kontexts, in dem sie auftauchen.

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